Canstatt`s Jahresbericht von 1859
Einführung von Charles Douglas Wehner

Addison war Hautarzt - und besessen. Stundenlang betrachtete er die Haut, um die kleinsten Spitzfindigkeiten der Diagnostik aufzuspüren. Niemand anders wäre in der Lage die Addisonsche Krankheit zu entdecken.

Er hat jeder Menge von Muttermale gesehen. Aber die Verfärbung die bei der Nebennierenerkrankung vorkommt war etwas eigenartiges. Wie sollte er es erzählen? Das Stichwort Eigenthümlichkeit wird bei Canstatt schwer betont.

Bei solchen Fälle, blieb Addison gewöhnlich wach - er konnte nicht schlafen bis er die Lösung gefunden hatte. So sagte Sir Samuel Wilks. Aber diesmal wird sie ihm entgehen.

Addison selber hat nur fünf Patienten gesehen bevor er seinem Buch zu schreiben entschied. Aus den Archiven kamen noch sechs Exemplare dazu. Die Stärke der Farbe hat nichts zu sagen - aber die merkwürdigen Eigenschaften der Makeln waren nicht so leicht in Wörter auszudrücken.

Es muß auch gesagt werden, wie Addison selber bei der Londoner Medikochirurgische Gesellschaft zugab, daß Fälle vorgekommen sind wo Patienten ohne jeglichen Hautmakel starben.

Anfang 1859 fing Addison an selber krank zu werden. Er hatte Gallensteine und Gelbsucht. Sein Lehrstuhl gab er auf. Dann, Ende des Jahres, trennte er sich völlig von Guy`s Krankenhaus.

Gleichzeitig, die Schilderungen von Professor Doktor Rudolf Ludwig Karl Virchow nach, entdeckte im Städtischen Krankenhaus zu Rotterdamm Herr Doktor F. J. J. Schmidt ein Mädchen mit Verfärbung am Gesäß, und an Stellen wo das Fleisch durch Bänder unter Druck gesetzt worden war (Fall 3).

Mechanisch verursacht worden. Das ist es!

Die Faltung der Haut beim Sitzen, die Reibung von Gürteln und Strumpfbänder - das waren die Ursachen. Flecken im Munde? Vielleicht scharfe Zähne! Unter die Achselhöhle von John Iveson? Er war Steinmetz - es war weil er Brocken geschleppt hatte. Addison wüßte das alles nicht.

Die Umrandung der braune Makeln ist weich. Gebiete die am meistens massiert worden waren sind am stärksten verfärbt. Nebenan sind gebiete mit weniger Farbe, bis die Bräunung in der Umgebung verschmelzt.

Juni 1860 war Addison schon tot. Er ist depressiv geworden. Die Familie zog nach Brighton um, in der Hoffnung daß er sich erholen würde. Die Ehefrau und Stiefsohn bestellten Wärter um ihm von Selbstmord abzuhalten - aber vergeblich.

Zwei Uhr Nachmittags bei 15 Wellington Villas am 28en Juni klingelte die Glocke für Mittagessen. Addison zögerte. "Kommen Sie hinein, Herr Doktor - das Essen wird kalt", sagte ein Wärter. Addison machte als ob er hineingehen wollte, dann warf sich urplötzlich ins Kellergeschoß. Sein Schädel wurde vorne gebrochen. Halb zwei am nächsten Morgen ist er gestorben.

Hätte er länger gelebt, dann hätte er vielleicht die mechanischen These bekanntgemacht. Niemand anders hatte die Erfahrung sie als Haupteigenschaft der Färbung offiziell zu verkünden. Die Sache ist als Nebenerscheinung angesehen worden, und wurde bis zum heutigen Tag in den Archiven verborgen.

Am 8en April 1862 - fast zwei Jahre nach dem Tode Addisons - wurde Gaget ins Krankenhaus Beaujon aufgenommen. Als Schmied hat er gemerkt, daß die Blasen die er bei der Arbeit bekam, und immer weiß waren, nach Anfang der Krankheit jetzt verfärbt vorkamen. Nicht nur Reibung, also, sondern auch die kleine Verletzungen zeigen die Krankheit an.

Die Umrandung der durch Blasen oder Insektenbiße verursachten Makeln ist scharf - denn die Verletzung findet nur einmal statt, und das genügt für die Verfärbung.

1866 wurde die Arbeit von Edward Headlam Greenhow herausgegeben. Er merkte, die tieferen Verletzungen können sich nicht verfärben. Heutzutage ist es bekannt, daß die Farbe durch Farbzellen - Melanozyte - gebildet ist. Gehen die Verletzungen zu tief, dann sind die Zellen zerstört, wobei die Bräunung nicht mehr möglich ist.

Und weshalb gibt es öfters Farbe am Gesicht und am Nacken? Witterungseinflüsse - also, auch mechanisch.

Die Krankheit kommt so selten vor, daß obwohl sie Tausendfach im Jahr diagnostiziert wird, sind die meisten Fälle Irrtümer. Es ist nur durch die historischen Schilderungen, aus einer Zeit längst bevor die Steroiden an der Markt kamen, das man an die wahre Beschreibung der Krankheit kommen kann.

[BERICHT 1859]


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© 2001 Charles Douglas Wehner.
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